Lyoner Wurst unterm Fallbeil
(Quelle: Der neue Tag, 08.03.2008)
Setzweins Henker-Monolog als Hörbuch-Vorstellung auf dem Dachboden Justitias
Von Peter Klewitz
Regensburg. Ein mechanisches Henkerswerkszeug dominiert den kalten Dachboden über Regensburgs Justiz. Die im Halbrund drum herum gestellten Stühle vermitteln fast so etwas wie die ärztliche Aufforderung: "Der Nächste bitte…" Aus dem liebenswert nostalgischen Dampfradio gleich daneben schälen sich nach atmosphärischem Gekrächz die Stimmen der Henkers-Freundin Erika und ihres Lebensgefährten Hans Reichhart heraus. Der dialogische "Monolog eines Henkers" hebt an.
Schummriger Dachboden
Dachböden haben ihre eigene Magie. Davon ist der Chef der Regensburger Justitia, Landgerichtspräsident Peter Küspert, überzeugt. "Es wird Zeit, die Geschichte der Dachböden zu schreiben", findet er. Und weil der Jurist auch ein Kunstliebhaber ist, war es für Dieter Lohr und Matthias Winter kein Problem, den schummrigen Dachboden des Regensburger Sitzungsgebäudes als höchst eigenwilligen für die Vorstellung des neuen Hörbuchs über Bayerns letzten und meist beschäftigten Scharfrichter zu bekommen.
Wenn je ein Hörbuch geschickt präsentiert wurde,dann dieses. Nicht nur das Ambiente, auch die Dramaturgie stimmt aufs Tüpfelchen. Ehe Hausherr Küspert den Abend eröffnet, hat dies schon die schlaksige Gestalt von Christian Hofmann getan, der würdevoll in Gehrock und Zylinder den Sicherungsbolzen in den Auslösehebel des aufgekurbelten Fallbeil-Nachbaus steckt und sich dann wortlos hinter die nächste Mauer begibt.
Launig nimmt Hörbuch-Verleger Dieter Lohr diese Vorlage auf und stellt die Protagonisten vor, zu denen auch Autor Bernhard Setzwein und Regisseur Matthias Winter gehören. Und so erfahren die Zuhörer und –schauer zwanglos zwischen Hör- und Schauspiel etwas über die Entstehung dieses Stücks, seinen historischen Hintergrund, seinen Anlass, seinen Titel und seine Inszenierung. Und darüber, dass ein Scharfrichter halt doch "ein Mensch wie du und ich" ist, dass er, der ursprünglich gelernte Metzger, sich als Wirt, Gemüsehändler, ja sogar Tanzlehrer versucht hat – ein kleiner Walzer im Schatten der Guillotine beweist's.
Spätestens wenn Waltraud Janner-Stahl "ihrem" Henker Christian Hofmann die Lyoner Wurst auf dem Tisch der Guillotine anrichtet, auf dem er 3165 Menschen hingerichtet hat, wird dieses Psychogramm so skurril, dass die Gäste sich trotz der makabren Szenerie das Lachen nicht verbeißen können. Das Bewusstsein, dass Hofmanns realer Vorgänger Hans Reichhart nur 50 Meter Luftlinie entfernt im Hof des Regensburger Gefängnisses mit dem Fallbeil-Original mehrfach "gearbeitet" hat, lässt das Lachen dann wieder einfrieren.
Erfolgreiche Premiere
Wardie Premiere von "3165 – Monolog eines Henkers" im Dezember 2007 schon ein Erfolg, so wird es die komprimierte Hörbuchfassung sicher auch, die in der Oberpfalz am Donnerstagabend, weit vor dem offiziellen Erscheinen am 24. März, über den Dachboden Justitias ging.
"3165 –Monolog eines Henkers" von Bernhard Setzwein (ISBN 978-3- 939529-05-7, Preis 14,90 Euro) kommt heraus im LOhrBär-Verlag Regensburg. Sprecher sind die beiden Schauspieler Christian Hofmann und Waltraud Janner-Stahl, weitere Stimmen trägt Matthias Winter bei. Ton, Musik und Sounddesign besorgten Thomas Patterer, tonfisch Bernd Kropf, BK Media und Dieter Lohr.

